Zerstörungen der Hochwasser-Katastrophe

HOCHWASSER-KATASTROPHE IM LANDKREIS AHRWEILER 2021

DOCUMENTARY

#Hochwasser #Helfer | die Grabfelder Helfer vor Ort | Am Freitagnachmittag rief Marco bei Jens an und schon am nächsten Tag (24.07.2021) waren die Grabfelder Helfer erstmals mit schwerem Gerät in Ahrweiler im Einsatz. Von Anfang war klar, dass sie die Opfer der Hochwasser-Katastrophe auch danach noch lange unterstützen müssen.

Wenn ihr mitmachen oder die Grabfelder Helfer unterstützen wollt, schreibt ihnen eine PN (persönliche Nachricht) https://www.facebook.com/jens.toennieshen | https://www.facebook.com/marco.hahn7 oder wendet euch an das https://www.helfer-shuttle.de oder den https://helfer-stab.de

Wir danken den Grabfelder Helfern: Marco Hahn, Jens Toennieshen & Jürgen Steinert für ihren Einsatz, sowie für die Bereitstellung der Bilder & Videos.

PS: die „we AHR Family“ Aufkleber bekommt Ihr hier https://www.baumateile.de

#Korrektur | 0:48, 1:34 und 4:30 ist der Sahrbach zu sehen | ein ca. 15,3 km langer Nebenfluss der Ahr | DANKE Familie Klemmt für diese Info.


Erster Einsatzbericht der Grabfelder Helfer in Ahrweiler

(24. bis 26.7.2021 | Autor: Jens Toennieshen)

Nachdem ich nach unserer Rückkehr am Montagabend ( 26.7.) zig Anfragen bekommen habe mit den Fragen wie und warum dachte ich mir ich mache mal einen etwas ausführlicheren Post mit allen Bildern draus.

Wichtig hierbei: Wir waren in Ahrweiler.

Ich schreibe hier auch immer nur von Ahrweiler und nicht von der ganzen Katastrophe. Andere Orte kann ich nicht beurteilen da ich sie nicht gesehen habe. Alle Zahlen sind persönliche Schätzungen und Hochrechnungen. Alle Ereignisse die ich nennen werde sind Persönliche und von anderen Erzählte Erlebnisse. Ich habe mich für diesen Bericht nicht schlau gelesen oder sonst was in der Richtung.

Ich habe auch eine Karte erstellt damit man sich die Ausmaße ein bisschen besser vorstellen kann.

Zuerst aber einmal wie es zu der Katastrophe in Ahrweiler überhaupt kam da die Meisten dies gar nicht genau wissen. Die Region an der Ahr ist von Weinbergen umgeben. Somit Läuft auch der Regen der auf die Weinberge trifft nach unten in die Ahr. Nach mehreren Tagen Regen mit zusammen ca. 250L/ Quadratmeter stieg der Wasserstand in der Ahr soweit das die Ahr über die Ufer getreten ist. Bis jetzt war es nur ein normales Hochwasser. Dies hat jedoch hunderte Tonnen von abgelagertem Holz das am Flussufer lag in Bewegung gesetzt. Dieses Holz Staute sich an der ersten Hauptbrücke von Ahrweiler soweit das dort das Wasser Über 15m Hoch anstieg und es bildete sich ein Staudamm aus Millionen Litern Wassern, Schlamm und angeschwemmtem Holz. Durch das Hochwasser kam Irgendwann von einem Hang ein Erdrutsch der eine kleine Welle Richtung Ahrweiler vor sich her Schub. Durch diese Welle Brach die erste Brücke in Ahrweiler und wie Dominosteine auch darauf alle Anderen. Es bewegte sich ein kleiner „Tsunami“ Durch Ahrweiler und ließ eine Verwüstungsspur hinter sich.

Nach dem wir uns ja schon eine Woche zuvor (direkt nach der Katastrophe) an der Nothilfsaktion von Julian Lörzel beteiligt hatten wollte ich eigentlich noch mehr für die Opfer tun. Aber wusste nicht so wirklich wie. Am Freitagnachmittag rief mich Marco Hahn an und sagte: „Hey, wir zwei sind doch so richtige Macher, oder?“ Ich fragte was er meint und was er will. Er erklärte mir das er gerne helfen würde und fragte, ob ich dabei wäre und was ich von der Idee halte übers Wochenende zum helfen mit einem Minibagger hoch zu fahren. Ich sagte: „Wenn dann nehmen wir meinen großen Kettenbagger auf den Tieflader und du nimmst meinen Abroller mit und wir fahren mit zwei LKW´s. Dann haben wir auch zwei Betten in den LKW´s in denen wir schlafen können.“ Gesagt – getan. Mein Bagger wäre aber ab Montag an die Fa Haschke vermietet gewesen. Ich Fragte Oliver Haschke ob wir hier etwas schieben können und erzählte ihm von unserer Idee: Kurz entschlossen meinte er: “ Bevor wir da lange tauschen oder organisieren nimmst du einfach meinen Bagger mit.“ Jetzt brauchten wir noch eine Große Abrollmulde da meine Halfpipemulde für Sperrmüll und anderes sperriges Material zu klein ist. Wir wollten ja was bewegen und nicht nur spielen. Wir fragten Jürgen Steinert ob wir eine seiner Hackschnitzelmulden haben können. Er war sofort begeistert von der Idee und sagte: „Ich komm auch mit. Aber ich organisiere zwei stabilere Mulden von Johannes Koob“ Nun war der Plan schon fast perfekt und es ging gegen 18 Uhr schon an das Laden des Baggers. Der Bagger stand zu Hause bei mir gegenüber auf einer Baustelle und wurde dort geladen und ich hab zu Hause geparkt. Marco kam dann zur endgültigen Einsatzbesprechung auf ein Bier zu mir in den Garten und wir planten die weiteren Details. Zum Glück hatten wir dort oben einen Kontaktmann mit dem wir mehrere Male telefonieren konnten. Jürgen holte in dieser Zeit die zwei Mulden bei der Firma Koob. Wir beschlossen um 3 Uhr früh zu starten damit wir zwischen 7 und 8 Uhr im Einsatzgebiet sind.

Nach 4 Stunden Schlaf ging es dann los. Ursprünglich sollten wir zu einem Treffpunkt nach Grafschaft fahren in der die „angemeldeten“ Einsatzkräfte koordiniert werden. Außer 5 Minuten Pause bei Frankfurt fuhren wir fast 5 Std. durch bis wir kurz vor Ahrweiler in einen Stau gerieten da hier täglich mehrere tausende freiwillige Helfer anreisen. Uns wurde eine zivile Motorradstaffel als Eskorte geschickt die uns nach Grafschaft eskortieren sollte. Dies klappte auch einige Kilometer doch dann standen wir schon wieder. Nach einigen Minuten im kompletten Stillstand funkte mich Marco der hinter mir stand an. „Ich hab gerade telefoniert und wir sollen nicht nach Grafschaft sondern direkt nach Ahrweiler rein an die Front! Setz deinen Blinker links, mach alle Lichter an die du hast, halt die Rettungsgasse frei und fahr auf der linken Spur am Stau vorbei! Wir haben einen Einsatzbefehl! An der Abfahrt hält dich mit Sicherheit die Polizei an und Bremst dich aus. Es gibt aber ein Codewort mit dem die dich dann durchlassen, dass sag ich aber nicht über Funk sondern schick´s dir per Whatsapp.“ Und dann ging es los: Alle Lichter an und mit Vollgas am Stau vorbei bis zur Abfahrt. Wie erwartet gab es dort mehrere äußerst grantige Polizisten die über diese Aktion nicht so sehr begeistert waren und uns erst mal ausbremsten. Ich öffnete während ich auf ihn zu rollte das Fenster und schrie ihm das Codewort entgegen. Ratz fatz waren alle Polizisten ganz handzahm und machten für uns drei Platz und winkten uns mit der Aussage „jetzt aber schnell!“ durch. Binnen weniger Minuten waren wir auch in Ahrweiler drin. Das einzige was mit ein Bisschen zu schaffen machte war das bei meiner Zugmaschine ca. 100km vor dem Ziel eine Druckluftleitung geplatzt ist. Ausgerechnet die von der Betriebsbremse. Für alle die jetzt denken: Man kann doch nicht ohne Bremse fahren…. Beim LKW geht das. Man hat ja noch die Motorbremse und den Retarder und wenn man da ein Paar Gänge runter Schaltet haben die auch bei einem Gesamtgewicht von ca. 54t eine sehr gute Bremsleistung. Nur das Anhalten ist immer ein bisschen Schwierig. Das geht dann nur mit der Handbremse. Im Stop and Go Verkehr die Abfahrt runter sah des Bestimmt ziemlich dämlich aus. Stellt euch einfach vor ein LKW fährt gaaanz langsam (anhalten wollt ich nicht) im 1. Gang mit ca. 2500 Motorumdrehungen. Am Ende der Abfahrt hielt mich wieder ein Polizist dann der Fragte warum mein Motor so heult. Ich sagte weil meine Bremse nicht geht. Der technisch unbegabte Polizist wollte mich erst an Ort und Stelle fest setzen (mitten auf der Hauptkreuzung) aber als ich ihm erklärte das wir einen Einsatzbefehl hatten und schon auf uns gewartet wird und ich schon 100km so fahr meinte er nur „also wenn das ohne Bremse wirklich geht dann fahr weiter“ direkt nach der Abfahrt ging das „Kriegsgebiet“ los. Wobei Kriegsgebiet nicht die passende Beschreibung ist. Marco Hahn als ehemaliger Soldat mit Einsatzerfahrung im Kosovo meinte immer: „Das alles hier ist wie Krieg! Nur schlimmer!“ Hier waren wie aber gerade Mal an den Ausläufern der Flutwelle. Wir trafen uns hier mit unserem Kontaktmann Daniel Erbe der uns erklärte wo wir hin müssen. Eines der Hauptprobleme war das wir nicht mal einen Platz in diesem Industriegebiet gefunden haben wo wie mit 3 LKW`s erst mal parken können. Geschweige denn den Bagger abladen können. Also standen Jürgen und ich erst mal da und Marco fuhr mit Daniel los um uns einen Platz zu suchen und um uns unsere Aufgaben zu zuteilen. Nach einer halben Stunde rief mich Marco an und erklärte wir wo wir hin müssen. Wir fuhren ca. 1km bis zu einer Straße die schon fast geräumt war. Hier wurde alles auf eine ca. 30m breite Grünanlage geworfen. Diese sollten wir räumen. In einer Nebenstraße war auch Platz den Bagger abzuladen. Wir entschlossen uns auch gleich, dass hier unser „Stützpunkt“ ist in dem wir auch Nachts parken und schlafen. Wie schon beschrieben sollten wir diese Grünanlage räumen. Darin lag alles was wir dort oben immer einfach nur als „Scheiß“ bezeichneten. Aber was genau ist „Scheiß“ hier eine Beschreibung damit man sich es vorstellen kann. Man nehme den kompletten Inhalt von seinem Haus incl. Gipskarton, Glaswolle, Estrich und Styropor unter dem Estrich, dazu Alles was jemals im Garten war, und mischt das mit der doppelten Menge an Schlamm. Dann hat man „Scheiß“. Unser Problem war nur das der Bagger um die Anlage von außen zu räumen eigentlich zu groß war da ich zwischen den Bäumen nicht schwenken konnte. Also fuhr ich in die Mitte der Anlage rein, räumte eine Gasse und Marco fuhr hinterher. Dumme Idee….. Marco ist nur Teilbeladen fast nicht mehr raus gekommen. Somit war dieser Einsatzort eigentlich unsinnig für uns. Wir beschlossen erst mal 2 Fuhren Scheiß am Straßenrand aufzuladen damit die Laster zumindest rollen. Nach 15 min Waren beide Mulden voll und Jürgen und Marco begaben sich auf die Suche nach einer Stelle an der abgekippt wird. Und das war leichter gesagt als getan. Es gab eine Umlade stelle in der Stadt in der aber meist nur kleine LKW´s abkippen durften. Der Scheiß wurde dann von hieraus auf Deponien außerhalb gefahren. Unsere LKW´s waren also hierfür zu groß also wurden sie gleich wieder aus der Stadt geschickt um außerhalb zu kippen. Und da stand ich dann mit meinem Bagger. Bis jetzt hatte ich noch meinen Löffel dran und ich wollte die Zeit nutzen um den Greifer ran zu bauen. Nachdem der aber beim verriegeln des Schnellwechslers nicht einrasten wollte holte ich mir Hilfe von einem anderen Baggerfahrer. Ich:“Kuck mal warum der nicht Einrastet“ Er (lacht): „Da ist noch der Transportschutz für die Hydraulikkupplungen dran. Der muss erst runter damit der Einrastet“. Und dann gingen die Probleme los. Wir hatten zwar alles an Werkzeug dabei was man nur irgendwie brauchen kann, aber unser Satz Inbusschlüssel ging nur bis 12mm. Und wir hätten einen 14er Gebraucht. Nach 30min Rennerei hab ich aber auch den von einem Anwohner bekommen. Zum Glück schraubte der Hobbymäßig an alten Unimog. Denn in einem Privathaushalt einen 14er Inbusschlüssel zu finden ist eigentlich eher Zufall. Nun Stande ich mit meinem Bagger incl. Greifer da und wartete auf meine Beiden LKW´s. Nach 10 Min rief ich Marco an und fragte wann er wieder kommt. Er Meinte dass auf den Straßen zur Kippe totales Chaos herrscht und das er noch mindestens eine Stunde braucht. Und was macht man dann als Baggerfahrer ohne LKW im Einsatz? Man sucht sich Arbeit! Dann bin ich halt einfach mal total Planlos mit einem 26t schweren Kettenbagger durch die Stadt gefahren auf der Suche nach jemandem der Hilfe braucht. Dies war aber gar nicht so einfach da es zwar genug Arbeit gab aber viel zu wenig LKW´s. Zumindest in diesem Teil der Stadt. An der Ecke vom Friedhof entdeckte ich einen sehr langen und breiten Berg aus Scheiß der schon bis zur Mitte der Straße ging. Ich beschloss diesen Berg einfach mal ein bisschen aufzuschichten damit es zumindest Platz gibt das die LKW´s wieder durch kommen. Dieser Berg wurde angefahren von diversen Garten und Landschaftsbauern die mit ca.50 kleinen Maschinen (Radladern und Minibaggern) die Bachemer Straße, die Kolpingstraße, und alle Grundstücke dahin räumten. Denn hier war die Flutwelle am höchsten und hatte den meisten Schaden angerichtet. In diesen beiden Straßen waren auch mind. 500 private Helfer zum schaufeln und schleppen mit dabei. Irgendwann kam dann auch mal ein LKW vorbei den ich mir geschnappt hab aber nach 10 Min laden war ich schon wieder arbeitslos. Nachdem ich den ganzen Tag noch nichts zu essen hatte wollte ich mir ca. 20m weiter in einer Garage eine Bratwurst holen. Hier war ein freiwilliger Metzgermeister aus dem Saarland der mit seiner Metzgereifachverkäuferin angereist ist und mal schnell 1000 Bratwürste für die Helfer gesponsert und gegrillt hat. Bei dem kleinen Imbiss stand auf einmal ein Mann neben mir der sich über viel zu wenig große Bagger aufgeregt hat da er meinte die meisten Bagger sind zu klein um seinen LKW vernünftig zu beladen. Ich fragte Ihn: „Was fährst du denn für einen LKW“ Er: „Volvo A35!“ Ich: „Ich fahr den kleinen Liebherr da vorne und ich reg mich die ganze Zeit über zu kleine Laster auf.“

Wollen wir die Party zusammen rocken? 😉 „Dann wurde mal schnell abgeklatscht (Scheiß auf Corona) und dann ging es los. Wir waren das perfekte Team für diesen Job. Trotz dass mit ca. 20 Radladern immerzu Material bei gefahren wurde, wurde der Haufen stetig kleiner. Und nebenbei haben wir noch die Straße aufgeräumt. Hier war zu dieser Zeit noch eine Einbahnstraße die vom THW beschildert war. Irgendwann konnten dank uns die LKWs aber auch wieder Zweispurig fahren. Das ging alles so lang gut bis ein THW´ler kam und sich tierisch über den zweispurigen Verkehr aufgeregt hat. Was macht man in so einem Fall als Baggerfahrer? Man nimmt das Einbahnstraßenschild einfach mit dem Greifer und schmeißt es auf den nächstbesten LKW der vorbei fährt. Das Hupkonzert der anderen LKW Fahrer die es mitbekommen haben war überwältigend. Der THW´ler ist dann stinksauer davon gelaufen. Als ich ihm „Verklag mich doch!“ hinterher gerufen hab drehte es sich noch mal um. (Aber mehr will ich hier nicht beschreiben).

Zwischendurch hab ich mit Marco und Jürgen telefoniert und ihnen gesagt, dass ich erst mal keine LKWs brauche. Die beiden waren dann irgendwo anders im Einsatz. Man kann nicht nur die eigenen LKWs laden, sondern einfach alles was einen vor den Greifer kommt. Und wenn man keine LKWs mehr hat muss man sich welche organisieren. Und wie macht man das? Z.B. einen Screenshot von einem Standort auf dem Handy. Das ganze bei Facebook in die Kipperfahrer Gruppe posten, und 10min später hat man einen Lkw. 😉 Es gehen aber auch andere Methoden wie Whatsapp, Telegramm oder ganz Oldschool CB Funk. Durch dieses ganze getiller auf n Handy war aber mein Akku fast leer. Ich hatte zwar ein Ladegerät einstecken aber weder eine Steckdose noch einen USB Anschluss auf dem Bagger. Also bin ich wieder zu dem freundlichen Metzger aus dem Saarland und fragte ob er Strom hat. Leider nein. Ich erklärte der Metzgereifachverkäuferin das ich dringen mein Handy laden muss weil ich die LKWs organisieren muss. Sie meinte: „Iss schnell unsere letzte Bratwurst, dann fahren wir eh heim. Mein Akku reicht noch bis nach Hause.“In dem Moment reichte sie mir die Bratwurst und mit der anderen Hand einen Weißen Karton. Ich fragte was da drin ist. Sie „Eine neue und geladenen Power Bank“. Ich wollte das erst fast nicht annehmen aber sie sagte: „Doch, nimm! Du brauchst die wichtiger als ich!“ Ich hätte sie sogar bezahlt aber mein Geldbeutel lag leider im LKW. Mit voller Dankbarkeit ging das dann noch ein paar Stunden an dieser Ladestelle so weiter. Zwischendurch bin ich dann noch mal zur Müllumladestation gefahren und hab meinen Bagger von der Bundeswehr tanken lassen. Den kompletten Diesel aller Maschinen bezahlt der Staat. Ich schätze es sind pro Tag ca. 200.000L! Dies nur weil es immer heißt der Staat macht nichts. Um ca. 23 Uhr meldeten sich dann meine beiden LKW Fahrer und meinten dass sie so langsam Feierabend machen und fragten wann wir uns treffen. Als es schon fast dunkel war trafen wir uns dann in der Straße in der mein Tieflader stand. Dort haben wir dann mit ein paar dankbaren Anwohnern und anderen Helfern noch ein paar Bier getrunken und dann gegen 2 Uhr ab ins Bett. Gegen halb 7 ging es dann weiter. Kurz die Kaffee Maschine im LKW anschmeißen, Zähne putzen und dann ging es auch schon los. Die anderen beiden sind wieder irgendwo hin gefahren wo sie gebraucht wurden und ich hab erst mal einen Reparaturdienst für meinen LKW organisiert. Denn meine Bremse war ja immer noch kaputt. Auf dem Umschlagplatz bei dem auch der Tankzug der Bundeswehr stand gab es auch einen Reifendienst, einen Mobilen Hydraulikschlauchdienst und mehrere Werkstattwagen von verschiedenen Baumaschinenhändlern. Dort hab ich mir einfach einen geschnappt, und wir fingen an zu reparieren. Die kaputte Leitung war gleich gefunden, aber das passende Ersatzteil war nicht vor Ort. Zum Glück aber der Schlauchdienst der dann auch gleich mit vor Ort war. Nach einer halben Stunde war meine Zugmaschine dann auch wieder fit für die Heimfahrt. Aber an die war noch lange nicht zu denken. Ich fuhr mit meinem Bagger mal an eine der Hauptstraßen (Schützenstraße) und sprach mich mit einem anderen Baggerfahrer ab, dass wir hier zusammen laden. Nachdem hier sehr viel Müll lag und sehr viele LKWs vom Umschlagplatz hin und zurück gefahren waren war hier immer Akkord Laden angesagt. Denn so bald ein LKW zum Laden stand war die Straße komplett dicht. Zwischendurch rief mich Marco an und sagte: „Ich steck hier grad hinten drin in so einer Gasse in einem Hinterhof. Wir haben hier Berge von Müll und brauchen dringend einen großen Bagger.“ Ich fragte wo das genau ist aber so richtig erklären konnte er es nicht. Das Liegt auch daran, dass es die meisten Straßenschilder nicht mehr gibt. Er sagte: „Hier neben mir steht die Weinprinzessin. Das ist so eine hübsche Blonde, die schick ich dir jetzt mal entgegen und du fährst die Straße Richtung Schule so weit hinter bis du sie siehst.“ Also dann bin ich halt mal „losgeklappert“ auf der Suche nach der hübschen Prinzessin. Nach 200m kam mit eine hübsche Blonde entgegen. Als ich sie fragte: „Bist du die Weinprinzessin?“ Schaute sie mich nur verdutzt an und sagte: „Nein, aber wenn du magst kann ich dir ein alkoholfreies Bier bringen.“ Ich: „Nee, ich will die echte Prinzessin!“ Nach noch ein paar Metern stand da die nächste Blonde und grinste mich an. Ich meinte nur: „Bereit mit den großen Jungs zu spielen?“ Sie: „Immer! Der Bagger ist zwar größer als ich gedacht hab aber er wird schon in die Gasse passen.“ Und er passte rein. Hier drin sah es echt wüst aus. Und ich hab zusammen mit mehreren Radladern einige Lkw und Traktoren mit Anhänger geladen. Die Traktorfahrer haben sich mir dann angeschlossen und so hatte ich wieder einen Trupp dabei. Danach ging es wieder in der Schützenstraße weiter. Diesmal in den Gärten und Vorhöfen. Um ein bisschen Platz zu schaffen hab ich früh eine Pritsche und einen Transporter in einen Vorgarten geworfen wo ich wusste dass hier zwei ältere Leute im Keller ertrunken sind. Nachmittags waren hier aber 2 Erwachsene mit Kindern beim Aufräumen. Ich vermutete die Kinder der ertrunkenen Personen. Nachdem ich ja die Autos in deren Garten geschmissen hatte hab ich höflich gesagt: „Das mit den Autos war ich. Die standen im weg. Wenn ihr wollt kann ich sie aber auch wieder raus stellen.“ Sieh meinten das ist schon OK so und fragten ob ich den Müllberg im Garten mit aufladen Würde. Natürlich hab ich das gemacht. Während ich hier aus einem Garten 3 LKWs voll Scheiß raus geholt hab saß die Frau traurig auf der Eingangstreppe vom Haus und schaute mir zu. Auf einmal hing in meinem Greifer eine sehr gut erhaltene bemalte Alu Milchkanne die nicht mal dreckig war. Diese packte ich mit dem Greifer und stellte sie vor das Haus auf den Zaunpfosten mit dem Spruch: „Hey, die ist noch gut. Die hebt ihr bitte auf!“ Auf einmal lachten alle wieder. Als wir hier fertig waren, war die Frau schon wieder traurig. Ich nahm sie in den Arm und meinte: „Es ist echt schlimm was hier passiert ist, aber denk einfach jedes Mal wenn du traurig bist an den fränkischen Baggerfahrer mit seiner Milchkanne.“

Da lachte sie und meinte. „Das ist eine gute Idee.“ Dann war es schon wieder ca. 18 Uhr und die Straßen wurden leerer. Zumindest von dem ganzen Fußvolk. Perfekt um mit schwerem Gerät an machen viel durchlaufenen Ecken zu arbeiten. Also knöpften wir uns zusammen mit meinen Bauern vom Nachmittag und einigen anderen kleineren Baggern und Radladern den Grünplatz vor den wir am Vortag räumen sollten. Die kleinen Bagger zogen es raus, die Radlader fuhren bei und ich hab geladen. So ging es wieder bis ca.1:00 Uhr. Dann mit Marco noch schnell ein (oder auch mehr) Feierabendbier und dann ab ins Bett. Wobei das schon ein sehr mulmiges Gefühl ist. Es war ja wieder Starkregen gemeldet und alle Kanäle in der Straße waren dich so das kein Wasser ablaufen konnte. Ich stellte mir oft die Frage: Was ist wenn es wieder so viel regnet? Aber über sowas macht man sich am besten gar keine Gedanken. Genauso wenig über das Thema: Was ist wenn man auf einmal eine Leiche im Greifer hat? Am besten gar nicht dran denken! Bei so viel Schlamm der in dem Scheiß drin ist hätte man da wahrscheinlich eh nichts erkannt. Am nächsten Morgen gegen 7 ging’s dann wieder raus und eigentlich wollten wir noch einen halben Tag dran hängen. Marco meinte aber nach einer Tour dass das Wahnsinn ist. Es war Montag und das ganz normale Leben ist wieder angelaufen. Auf einmal waren hunderte Müllautos hier die noch aufräumten. Von dem ganzen Fußvolk an Helfern war auch nichts mehr zu sehen. Dafür aber hunderte Fahrradfahrer. Autos hatten die Anwohner ja keine mehr. Da beschlossen wir abzubrechen unser Zeug zu packen und heim zu fahren. Marco und ich luden den völlig verschlammten Bagger auf, und Jürgen fuhr so lang noch eine Tour. Diese wurde aber etwas länger da irgendeine Deponie geschlossen war. Er musste fast 70km bis nach Koblenz. Noch so ein Highlight war den Bagger rückwärts zu fahren das es hier so eng war das ich auf dem Tieflader nicht schwenken konnte. Aber nach ein bisschen Schweiß und Adrenalin hat das auch geklappt. Als mein Bagger nach einer halben Stunde mit Schaufel und Spaten immer noch nicht richtig sauber war kam mir eine Idee. „Ein Flughafenlöschfahrzeug ist Ideal um einen Bagger sauber zu machen“ Und so kam es dann auch. Ab mit dem Gespann zur Kölner Flughafen Feuerwehr. Und dann nichts wie raus aus der Stadt. Und da hab ich Marco dann auch verstanden. Es gab so viel Verkehr das wir für 1km fast eine Stunde gebraucht haben. Kurz vor der Autobahnauffahrt noch alles getankt. Natürlich wieder auf Staatskosten und ab in die Heimat. Nur Jürgen wollte nicht mit. Der Wollte erst noch essen, LKW waschen usw. Wir fuhren schon mal los und Jürgen wollte uns einholen. Das wurde zwar nichts denn er kam 1,5 Std nach uns in Kön an aber so ein Laster ist ja auch kein Rennauto. In Kön ging’s dann um ca. 18:00 Uhr erst mal zu Oliver Haschke auf den Hof der auch schon mit einem Feierabendbier auf uns wartete.

Zwischendurch gab’s dann noch n Paar Fotos für Oliver und die Presse und wir kamen aus dem Erzählen nicht mehr raus. Gefühlt waren wir nicht 3 Tage sondern 3 Wochen dort oben. Das muss man alles erst mal verarbeiten. Und Marco ging es genauso wie mir. Richtig realisiert was dort passiert ist und was wir alles geleistet haben in der Zeit haben wir beide erst auf der Heimfahrt. Denn dann hatten wir das erste Mal ein bisschen Ruhe und Zeit zum nachdenken. Es waren auf alle Fälle Erlebnisse die man so schnell nicht vergessen wird und ist mit nichts zu vergleichen was ich bis jetzt jemals gemacht hab. Als Baggerfahrer denkt man oft auf einer normalen Baustelle: Ob das klappt? Ob der Bagger das hebt? Was ist wenn dabei was kaputt geht? Was ist wenn ich aus dem Schlamm nicht mehr raus komm? Dort oben macht man sich diese Gedanken eigentlich nicht. Denn man Arbeitet nach dem Motto: „Wenn ich es nicht mach muss es ein anderer Machen.“ Und wenn man nicht mehr raus kommt gibt’s ja zum Glück einen Bergepanzer in der Stadt. Den hat Marco zwischendurch auch mal gebraucht. Er ist 10x dieselbe Straße entlang gefahren und beim 11. Mal bricht die Straße unter ihm weg. Aber zum Glück ist außer ein paar Kratzern nicht mehr passiert. Sowas passiert einfach wenn man im Einsatz ist. Genauso wie ein kaputter Reifen. Dieser wurde aber auch sofort vor Ort und das ganz umsonst repariert. Wo gehobelt wird fallen nun mal Späne. Dafür hab ich mit dem Bagger eine Laterne geschrottet. 😉

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